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Regionales Berufsbildungszentrum Soziales, Ernährung und Bau der Landeshauptstadt Kiel

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Pressespiegel

Würdigung einer Projektwoche der BFT/BFN mit Flüchtlingen

Veröffentlicht am 3. September 2015 um 12:42 Uhr

Urkunde Willi Piecyk PreisWilli Piecyk Preis (7)

 

 

 

 

KN Artikel Preisverleihung

 

 

 

 

 

 

 

 

“Ich heiße Hamid und wie heißt Du?“

Unter diesem Arbeitstitel haben wir in der Zeit vom 20.04. – 24.04.2015 (direkt nach den Osterferien) unsere Projektwoche durchgeführt.

In Zusammenarbeit des
RBZ1, Regionales Bildungszentrum 1, Soziales Ernährung und Bau der Landeshauptstadt Kiel, OE 2 – Abteilung Berufsfachschule, Westring 100, 24114 Kiel mit den Kollegen Michael Paschold, Eva Rohwedder, Henning Schurwanz sowie dem Abteilungsleiter Herrn Holger Bernien mit den Klassen Berufsfachschule I – Technik, BFT 14A sowie – Nahrung und Gastronomie, BFN 14A.

Wir sind mit einer GesamtschülerInnenanzahl von 5000 Menschen ein sehr großes RBZ mit berufsbildenden sowie allgemeinbildenden Angeboten. Unsere Schule ist ein Ort des gemeinsamen Lernens und Lebens. Sie bietet Raum für Begegnungen und Kommunikation. Dabei nehmen das Klima gegenseitiger Wertschätzung, die persönliche Entwicklung, Partizipation und Inklusion einen besonderen Stellenwert ein. In diesem Zusammenhang öffnet sich unsere Schule, pflegt und intensiviert ihre Kontakte zu den kulturellen und gesellschaftspolitischen Institutionen (https://www.rbz1.de)

In Kooperation mit dem ZBBS e.V. Zentrale Bildungs- und Beratungsstelle für MigrantInnen in Schleswig-Holstein e.V., Sophienblatt 64, 24114 Kiel, Frau Idun Hübner (Geschäftsführung und Theaterpädagogin),

Die ZBBS e.V. versteht sich seit 30 Jahren als Ort der interkulturellen Begegnung, des Austausches und Lernens. Schwerpunkte der Arbeit sind Bildungs- und Beratungsangebote für Flüchtlinge sowie eine aktive Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit mit dem Ziel, dass die Vielfalt der Kulturen in Deutschland als eine Bereicherung erlebt wird. So gehören Theater und Kunst zu den wichtigsten Mitteln der Verständigung und die gleichwertige Partizipation von Flüchtlingen und Deutschen. (https://www.zbbs-sh.de)

der Muthesius Kunsthochschule, Legienstraße 35, 24103 Kiel, Herr Fredo Wulf (Material & Gerät, Filmemacher) sowie

Im Zentrum der Muthesius Kunsthochschule steht die Kunst, das Künstlerische und das Gestalterische, das Schaffende und die Produktivität. Um diese Mitte bewegt sich auch das grundsätzliche Verhältnis von Theorie und Praxis. Dieses Wechselverhältnis ist ein permanenter Prozess, eine kreisende Bewegung um das von Kunst und Design ausgehaltene Zentrum. Es ist Freiraum nötig, um sich zu bewegen. Deshalb ist die erste Bedingung für Kunst und Design an unserer Hochschule Freiheit! Zum Studium an der Muthesius Kunsthochschule gehört der Wille, diese Freiheit zu nutzen, um zu einer ebenso kreativen wie produktiven Persönlichkeit heranzureifen. (https://muthesius-kunsthochschule.de; http://www.fredo-wulf.de)

Kaleidoskop Hamburg, Theater und Kommunikation, Königsreihe 4, 22041 Hamburg, Frau Ulrike Krogmann (Theaterpädagogin).

Mit unseren Personal-Entwicklungstrainings unterstützen wir Menschen in ihrem Streben nach einer erfüllenden beruflichen und persönlichen Entwicklung.
Unsere Angebote zur Organisationsentwicklung richten wir an Einrichtungen, Netzwerke und Unternehmen, die ihre anstehenden Veränderungen verstehen und gut meistern wollen.
In unserer Arbeit setzen wir dabei auch Spiel und Theater, Körperübungen und Bewegung ein. Denn: Spiel und Theater berühren alle Sinne. Sie fordern Menschen in ihrer Ganzheit, mit Herz, Hand und Verstand. Dabei wird Wissen lebendig. Es wird verankert, umgesetzt, erprobt.
Auf diese Art schaffen wir nicht nur intensive Erlebnisse, sondern auch nachhaltige Ergebnisse. (http://www.kaleidoskop-hamburg.de)

Zu dem Projekt:
Willi Piecyk Preis (8)Beeindruckt von der aktuellen Berichterstattung in den Medien über die Geschehnisse in den Krisengebieten an den Grenzen zu Europa und den Flüchtlingsströmen, die unter überwiegend abenteuerlichen Bedingungen auch nach Deutschland gelangen, sowie der sich (erneut!) verankernden Fremdenfeindlichkeit in Deutschland sahen wir deutlichen und akuten Handlungsbedarf! Dazu kommen die „glaubensfeindlichen Kundgebungen“, die allwöchentlich in mehreren Großstädten stattfinden und zum Glück inzwischen nicht mehr so viel Zulauf erfahren. Terroristische Anschläge und brennende Asylbewerberheime heizen das Thema zusätzlich an, schaffen Betroffenheit und dienen der Polarisierung.

Nach unserem Verständnis mussten/müssen wir hier tätig werden!

Willi Piecyk Preis (1)Ganz konkret ging es darum in Zusammenarbeit mit der ZBBS e.V. (Zentrale Bildungs- und Beratungsstelle für MigrantInnen) gemeinsam mit (ca. 20) gleichaltrigen Jugendlichen aus Krisengebieten (“Flüchtlinge”) ohne gesicherten Aufenthaltsstatus ein Projekt zu erarbeiten. Die Jugendlichen, die weit gereist sind, um hier zu leben und Vieles auf sich genommen haben, um hier anzukommen, konnten über politische Verfolgung, wirtschaftliche Not und Armut, Fluchtgründe, fremde Kulturen berichten sowie sehr persönliche Biographien darstellen.
Als Zielsetzung war formuliert, dass sich die Jugendlichen kennen lernen und Verständnis füreinander erlangen. Dadurch können minimal Vorurteile abgebaut werden – wünschenswert sind länger währende Kontakte oder es entstehen sogar Freundschaften über das Projekt hinaus.

Willi Piecyk Preis (4)Die Zusammenarbeit war partnerschaftlich geprägt. Als grundlegendes Gerüst diente der Erfahrungshintergrund der ZBBS mit ähnlichen Projekten. Enge Absprachen mit allen Beteiligten, incl. der beteiligten SchülerInnen, gewährleisteten zu jeder Zeit Transparenz, Beteiligung und die Möglichkeit der Einrede.
So wurden Ideen und Initiativen zu jeder Zeit gemeinsam in der Projektgruppe beurteilt und einbezogen. Besonders zu erwähnen ist der gegenseitige Respekt, der auch die individuell-persönlichen Kompetenzen berücksichtigte. So war eine Arbeit auf Augenhöhe und mit hohem Grad der Identifikation zu diesem Projekt möglich.
Die „Teamer“ organisierten und koordinierten zusammen mit den SchülerInnen lediglich die Umsetzung der Vorhaben in Theater-, Film- und Organisationsgruppe.

Willi Piecyk Preis (3)Dieses Projekt basiert auf Partizipation der TeilnehmerInnen. Die Vorgaben ergaben sich durch den zeitlichen Rahmen sowie die Kompetenzen der Teamer. Die abschließende Präsentation der Arbeit vor der Öffentlichkeit war ein(zig)e Zielvorgabe.
Die Anzahl der TeilnehmerInnen erforderte für eine konstruktive Arbeit die Aufteilung in drei Gruppen.
Die gewünschte Begegnung und der Austausch untereinander ergaben sich durch die zielführende Arbeit im Hinblick auf die Zielvorgabe.
Die inhaltliche Umsetzung oblag in Ausgestaltung und Fokussierung vollständig den Jugendlichen. Dabei wurde  demokratisches Vorgehen, manchmal nach leidenschaftlichen Debatten angewandt.
Jeder/m TeilnehmerIn war bekannt, dass in der örtlichen Presse, ebenso wie im Internet, auf unsere Veranstaltung hingewiesen wird. Die TeilnehmerInnen standen dafür in umfangreichen Interviews mit den Medienvertretern gerne zur Verfügung. Ebenso wurden zahlreiche Fotos zur Veröffentlichung gemacht.
Willi Piecyk Preis (2)Die Bereitschaft zur Auskunft, zur fotografischen, öffentlichen Darstelllung auch unserer Arbeit vor den Medienvertretern und der Öffentlichkeit ist ein deutlicher Beweis, dass dieses Projekt für alle Beteiligten ein großer Erfolg ist! (http://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Wie-heisst-du-Schueler-und-Fluechtlinge-drehen-Film,projektwoche100.html)

Die Teilnehmerinnen trafen am außerschulischen Lernort der Hansastrasse 48 ein und  teilten sich in 3 Gruppen auf. An die Stelle von Ängsten trat jetzt Neugier und Interesse an Personen sowie der Gestaltung der Präsentation unserer Projektergebnisse.

FILM
Entstehung des Films: Wir wollen nicht mehr WARTEN!
Für eine Filmgruppe war die Anzahl von Teilnehmern und einer Teilnehmerin recht groß: acht  Flüchtlinge und acht Schülerinnen versuchten sich miteinander bekannt zu machen. Einige der Schülerinnen sprachen wenig Englisch, mehrere Flüchtlinge sprachen entweder kein Englisch oder kein Deutsch. Dies war schon ein Ansatzpunkt für den Film, die Kommunikation zum Thema zu machen. Denn: Flüchtlinge müssen Deutsch lernen, sonst geht gar nichts. Bei den Übersetzungen und dem Reden mit Hand und Fuß brach gleich am ersten Tag das Eis und die syrischen und iranischen Geschichten von Flucht und Vertreibung, Glück und Unglück, Sehnsüchten und Wünschen erreichten die staunenden, beeindruckten und mitfühlenden SchülerInnen des RBZ 1. Aus dieser intensiven Begegnung der so unterschiedlichen TeilnehmerInnen, dem direkten “Draht” zwischen SchülerInnen und Geflüchteten, entwickelten wir nach gemeinsamen Brainstorming und Diskussion eine für alle spannende künstlerische Filmidee und machten uns an die Arbeit. Alle haben zu diesem Film etwas beigetragen und alle sind mit neuen Erkenntnissen und Stolz aus diesem Projekt gegangen.

INHALT DES FILMS:
Die teilnehmenden Iraner erwiesen sich als Dichter, die das Bedürfnis haben, ihre in der Fremde empfundenen Gefühle und Gedanken in lyrischer Form nicht nur ihren Landsleuten mitzuteilen. Ausgehend von einem bewegenden Gedicht über Freiheit, Flucht und Schmerz erzählt der Film von “unseren” Flüchtlingen, deren persönlichen und rechtlichen Situation, über die Lage in ihrem Heimatländern und der Situation ihrer Familien dort. Im Park, Deutschkurs oder direkt vor der Kamera im eigenen aufgebauten Studio berichten uns die Flüchtlinge, dass ihr größtes Problem das jahrelange Warten auf einen sicheren Aufenthaltsstatus, auf die freie Wahl ihres Wohnortes und schließlich auf ein zufriedenstellendes Studium oder eine ausfüllende Arbeit ist. So hieß der Film und endet mit einem Aufruf…..aber Sehen und Hören Sie selbst. (https://www.youtube.com/watch?v=nlrD7kIX9o0)

THEATER
Entstehung des Theaterstückes:
Wie die Überschrift schon sagt, ging es auch bei unserem Theaterstück ums Kennenlernen. Die Begegnung mit Fremden stand bei uns von Anfang an im Fokus. Zu Beginn der Arbeit lenkten wir die Aufmerksamkeit zunächst auf unsere Gruppe, die aus fünf SchülerInnen und 10 Flüchtlingen aus Syrien, Iran, Eritrea, Somalia und Afghanistan bestand.  Wo bist Du geboren? Wo möchtest Du Leben?  Wer isst gern Eis oder Wer geht auch tanzen?
Durchs gemeinsame Spielen und Theatertraining lernten sich die Schüler und Flüchtlinge weiter kennen und hatten dabei viel Freude. In den gemischten Kleingruppen fanden Gespräche über das Fremdsein statt. Während diesem intensiven Prozess entstanden aus eigenen Erlebnissen kurze Szenen. Diese kurzen und heiteren Szenen führten uns auf eine Reise, die verschieden Länder und Kontinente umfasst.

INHALT DES THEATERSTÜCKS
Die Reise beginnt in Somalia. Unser Held muss fliehen, weil er mit seiner Liebe mit einem Mädchen aus einer verfeindeten Sippe nicht leben kann. Im Nachbarland Sudan angekommen sieht sich unser Protagonist erstaunlichen Fragen ausgesetzt.
„Habt ihr einen Himmel in Sudan? Habt ihr Frauen? Habt ihr Wasser?“
Über Libyen, Italien kommt er nach Deutschland, wo ihm sowohl Berührungsängste als auch Hilfsbereitschaft entgegen kommen.
Die Szenen werden miteinander durch ein wiederkehrendes Ritual verknüpft. Der Protagonist hebt das Schild mit dem Namen des Landes, in dem er sich befindet, auf und legt es wieder zu Boden. Dann hebt er ein Schild auf mit dem Namen des Landes, wohin er weiterreist. Dabei spiegeln sich die Emotionen, die er mit der Reise verbindet,  in seinem Gesicht wieder.

ORGANISATIONSGRUPPE
Hier wurde die Arbeit vereint: Hier musste das gemeinsame Essen gesichert werden. Daher wurde täglich von einem Teil der Mitglieder für den Tagesbedarf eingekauft und das Essen gemeinsam, interkulturell zubereitet. Das gemeinsame Mittagessen bot Gelegenheit, sich miteinander Abzustimmen und bei Bedarf das weitere Vorgehen zu vereinbaren. Als bleibendes Produkt wurde hier die Planung und Umsetzung mit Informationen zu jeder/m TeilnehmerIn (standardisiertes Interview) in einer Broschüre zusammengetragen und redaktionell bearbeitet. Desweiteren wurde eine Adressen- und Kontaktliste der TeilnehmerInnen zusammengestellt sowie eine Whatapp – Gruppe installiert.
Auf einer Weltkarte haben die Flüchtlinge ihre Herkunftsorte markiert (siehe Broschüre). Dieser Vorgang allein bot neben vielen anderen Gelegenheiten die Möglichkeit zum Austausch und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Zum Ende der Woche stand die Gestaltung der Präsentation in der Aula der Schule im Mittelpunkt der Planung der Orga – Gruppe. Es konnten Eltern, Verwandte, Freunde und Medienvertreter mit einer gestalteten Einladung zum Genuss unserer Veranstaltung ermuntert werden. Hier wurden auch Plakate produziert, die in unserer weitläufigen Schule als kreative Hinweisschilder zu dem Ort der Veranstaltung hinführten.

Neben den Vorführungen (Theater, Vorstellung jedes Teilnehmers und Filmvorführung) wurde eine kleine Ausstellung (selbst gefertigter Inhalte zur Flucht sowie Informationsausstellung „Asyl ist Menschenrecht“, http://www.proasyl.de/de/home/ausstellung-asyl-ist-menschenrecht) präsentiert. Ebenso wurden den Besuchern kleine Snacks Fingerfood sowie Obstcocktails zur Erfrischung gereicht.
Leider war in dem Zeitungsartikel der Kieler Nachrichten keine Uhrzeit angekündigt. Vermutlich hätten wir mit einer weit größeren Besucheranzahl rechnen können. Allerdings konnten wir auch so ca. 150 Besucher verzeichnen.

Resümierend und prägnant muss festgestellt werden,

Für die SchülerInnen haben „Flüchtlinge“ nun Gesichter. Vorbehalte wurden abgebaut.

Für Flüchtlinge ergeben sich Kontakte zur soziokulturellen und sprachlichen Integration.

Alle TeilnehmerInnen erleben die Begegnung u.a. durch Identifikation und Selbstwirksamkeit als nachhaltige Bereicherung.

Da wir das Projekt in seiner Idee und Umsetzung für einen Erfolg halten, planen wir bereits jetzt  eine Neuauflage mit kleinen Korrekturen und dem neuen Jahrgang der TeilnehmerInnen im Februar 2016. Gerne machen wir die Zusammenarbeit mit dem ZBBS zu einem festen Bestandteil unseres Bildungscurriculums!

Stellvertretend für die zahlreichen TeilnehmerInnen unseres Projektes verbleibe ich mit freundlichem Gruß!

Henning Schurwanz